Desinformation

Es ist tatsächlich als ein gutes Zeichen zu werten. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft hat die erste Ministerrunde mit JustizministerInnen stattfinden lassen zu dem Thema Desinformation, Hetze und Hassrede im Internet. So berichtet bereits die Tagesschau am 6.7.2020. Die Strategien zur Gewinnung von neuen Unterstützern und stillen Tolerierenden von Hassrede oder Anhängern von Verschwörungsideologien werden ständig raffinierter (Bericht hier). Daher ist eine geschlossenere Vorgehensweise in Europa dringend nötig, um dem entschieden zu begegnen. Neben der Verantwortung der Giganten der sozialen Medien, die zu lange alles einfach laufen ließen kann nur ein verlässlicher Rechtsrahmen innerhalb der EU weiterhelfen. Den einzufordern, können wir nicht den Betroffenen überlassen. Das ist zivilgesellschaftliche Pflicht.
Da Menschenrechte nicht an der Unternehmenstür oder in der Umkleidekabine abgegeben werden, stehen Unternehmen in der Pflicht beispielsweise mit einem Verhaltenskodex auf Fehlentwicklungen zu reagieren, besser noch vorzubeugen. Der Hamburger Hafen hat dazu eine Initiative vorgelegt und ein beispielhaftes Dokument zur Bedeutung der Menschenrechte im Betrieb erstellt. Der Verhaltenskodex ist umfassend. Nachahmen erwünscht. „Wir treten daher jeder Form von Belästigung,
Mobbing und Diskriminierung entschieden entgegen. Wir achten alle Kolleginnen und Kollegen unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Nationalität, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Ausrichtung, ihrer Religion, ihrer politischen Einstellung, ihrem Alter, ihrer körperlichen Konstitution und ihrem Aussehen.“ (https://hhla.de/fileadmin/download/investoren/corporategovernance/HHLA_Verhaltenskodex-2017.pdf)
Betroffenen Personen von Hassrede weiterzuhelfen, bleibt eine wichtige Aufgabe. Hier übernehmen Stiftungen, insbesondere die Amadeu-Antonio-Stiftung eine wichtige Rolle. Auch bei „Hateaid“ wird den vielen Betroffenen und Eingeschüchterten geholfen. Es braucht Unterstützung von vielen Personen, damit Hassrede keine Verletzungen hinterlässt.

Hate Speech Perception
copyright Magritte Musées Royaux des Beaux-Arts

Demos (Fr) und Demokratie

Viel Hoffnung für unseren Planeten gründen sich auf die Kommunalwahlen in Frankreich. Viele Großstädte in Frankreich werden ab 2020 von grünen Bürgermeistern regiert werden. Paris hat mit klarer Mehrheit Hidalgo mit ihrem rot-grünen Programm einschließlich Straßensperrungen für Autos mitten in Paris wiedergewählt. Eine deutliche Warnung für alle Demokraten sollte aber in der enttäuschenden Wahlbeteiligung liegen. Sowohl im ersten als auch im zweiten Wahldurchgang gingen in mehreren kleinen Städten weniger oder nur um die 20% der Wahlberechtigten zur Wahl. Das hat mit gelebter Demokratie wenig zu tun. Okay, wenn in einer Stichwahl nur Rechte oder nur Linke als zu Wählende zur Wahl stehen, dann interessiert das viele nicht mehr. Wir lernen wieder: Nur wirkliche, realisierbare Alternativen beleben die Demokratie. Aber für Extremisten können solche niedrigen Wahlbeteiligungen ein Einfallstor sein, demokratische Prozesse auszuhöhlen. So stellt die niedrige Wahlbeteiligung ein tatsächlich größeres Problem dar als die Aufmerksamkeit erheischenden „gillet jaunes“ Proteste oder Gewalt auf Straßen und in den Innenstädten. Die Erosion der Demokratie geht schleichend voran, leider selbst in Frankreich in 2020.

Quelle: https://actu.fr/politique

https://www.lemonde.fr

Soziales, ökologisches Europa

Die Debatte für eine soziale und ökologische Wende ist in Frankreich vor den dortigen Kommunalwahlen nochmals richtig in Gang gekommen. Auf europäischer Ebene wird der „Green Deal“ zusammen mit dem „Brexit Deal“ verhandelt. Da Covid-19 noch mit uns bleibt, sollten wir einen „Health Deal“ mit einbeziehen. Ein soziales, ökologisches Europa ist ein gesünderes Europa. Prävention mit Hilfe von adequaten „public health policies“ lassen mittelfristig bereits enorme Kosten einsparen und Lebensqualität erhöhen. Einzelbetrachtungen schlagen fehl, ganzheitliche Betrachtungsweisen sind nötig. Spätestens seit der Militärolympiade 2019 in Wuhan (!) wissen wir, dass mit Schutz vor Viren nicht nur Computerviren gemeint sind. Neben Cyberwar ist für den BIOwar mit Pandemien selbst neben dem Nuklearkrieg eine Sicherheitsbedrohung mit verheerendem Ausmaß geworden. Letzte Zahlen zur Pandemie haben für die USA alleine zu mehr Toten geführt als der Vietnamkrieg oder die Toten der Abwürfe von 2 Atombomben auf Japan. Daher müssen wir Europa fundamental neu denken, nicht als Bündnis gegen andere Staaten, sondern als „gutes Beispiel“ für zukunftsweisende Politik und ein Strategiebündel. In „LeMonde“ ist dazu ein Aufruf zu lesen (hier). Mein Entwurf für eine neue Schuman-Deklaration passt gut dazu. „Imagine-toi“ Stell-Dir-Vor, wie soll unser Europa sein? Warum nicht aus einer surrealistisch anmutenden Idee eine Realität werden lassen. Mehr Geld wird uns nicht verbinden, aber unterschreiben einer traumhaften, aber realisierbaren Idee schon.

quizz – inspiration Magritte

Macron – Merkel

Anlass sein, für einen neuen Plan, kann jede Pressekonferenz!
Im Laufe der sich überschlagenden Rettungsversuche für Europa sticht der Macron – Merkel-Vorschlag eines Investitionsfonds hervor. Bevor wir aber wieder einmal nur über das Geld und die Verteilung in Europa reden, sollten wir die Inhalte, Institutionen und demokratischen Verfahren erneuern. Einen Vorschlag dazu habe ich zum „Europatag“ 9.5.2020 formuliert. Dieser wurde bereits am 15.3.2020 bei der Schuman Stiftung zu einem europäischen Ideenwettbewerb eingereicht. Die Einreichungsfrist ist bis ca 15.10 verlängert worden. Also können noch viele neue Ideen eingereicht werden. Mein Beispiel zur Anregung und regem Gebrauch im Europaunterricht oder Sprachunterricht schon mal vorab. Das macht richtig Spaß.

Eine schöne Gelegenheit die französischsprachigen Seiten auf imagine4d.de/fr zu beginnen. Hier direkt zur imaginierten Deklaration.
Déclaration du 9 mai 2020 pour la paix, aussi bien écologique et sociale.

Image Source: David Cauwe Imagine Hors Serie Vélove Seite 97.
oder https://imagine4d.de/imagine-le-magazine

Covid19 Ιπποκράτης Pasteur Koch

These are some of the big names in the history of medcine. Hippokrates of Kos, Louis Pasteur, and Robert Koch have shaped modern medicine (arte video). Not only the Covid-19 crisis lets us focus again on their lasting merits for science and health. In comparing the mortality rates per 100.000 population of the major countries concerned (as of 9.4.2020) we witness striking differences in nation-states to cope with the spread and mortality of the virus.

COVID-9 Mortality (9.4.2020) form JHU

The shocking info of the figure shows the huge gaps between countries, and particularly within Europe between neighboring countries. Details on mortality within European countries, i.e. between regions within a country are of a similar spread. Hence there is a need for an unbiased algorithm to distribute sick patients to free hospital or only intensive care beds. Run this algorithm on a fairly continuous basis to solve the puzzle of empty beds in one region of Europe and an overload of patients in other regions. Through this procedure of „highly secured transportation (just as happening within France) a large scale logistic operation including the different timing of overload in regions and countries could be managed in a true European spirit. Testing, Testing, Testing and anti-virus vaccination has to be developed meanwhile.

The European programme or cohesion fund could be called similar to the ERASMUS-programme of the EU the Hippokrates of Kos, Louis Pasteur, or Robert Koch programme. Much better than the ugly discussions about the financing of the economic budget deficits, which have not benn devoted to public health efforts in most countries in past years. Data from OECD and my insights on this here.

Distribution of Hospitalisation in France (Source ESRI France 8.4.2020)

Quelle https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html abgefragt am 9.4.2020

For Italy source https://lab.gedidigital.it/gedi-visual/2020/coronavirus-i-contagi-in-italia/?refresh_ce

Covid-19, its merit for the Future of Europe

Countries in crisis mode can create surprising outcomes. The current Covid-19 crisis is no exception to this rule. In the middle of the crisis or of wars, the construction of peace or apeacement starts. Differences between countries prior to the crisis tend to become further excacerbated through the crisis. Take the country differences in terms of debt burdens for future generations in the OECD (see below, highlighting Eastern European countries and their moderate debt burdens, source OECD (2020), General government debt (indicator). doi: 10.1787/a0528cc2-en (Accessed on 30 March 2020)

If we compare this to the 2005-2019 evolution of the debt burden we see a number of countries that had difficulties to leave the financial crisis behind, i.e. reducing their public debt burden as % of GDP. If we compare this to the 2005 debt burden, we see a number of countries that had difficulties to leave the financial crisis behind.

For all OECD countries in direct comparison this gives figure 3 below (same data source, own depiction). Two readings of this. (1) Absolute levels of more than 100% of debt to GDP rations are much more numerous, also in Europe. Soaring debt is problem for more countries than we might believe, also in Europe, but not restrictied to Europe.

In the Covid-19 crisis we are all concerned about hospital beds (see figue 4), although this is just the top of the iceberg problem. Persons working in medical professions and their equipment seems to be of equal importance. OECD (2020), Hospital beds (indicator). doi: 10.1787/0191328e-en (Accessed on 31 March 2020)

The worrying indicator is the reduction of hospital beds per 1000 inhabitants also from just before the financial crisis or as in figure 5 below since 1998 the last 20 years. OECD (2020), Hospital beds (indicator). doi: 10.1787/0191328e-en (Accessed on 31 March 2020)

Conclusion. Europe needs a strategic reserve capacity not only of hospital beds and medical equipment to rescue its citizens in case of severe crisis. This includes the adequately trained personel that can stop a viral infection early on as a joint effort. Rapid and effective deployment is key just as it is necessary for joint military action and equipment. And for the aftermath an employment insurance that builds on short-time work were necessary and overtime compensation for crisis workers. Europe and the world would be a safer place, just imagine. Imagine all the people …

Kunst ohne Grenzen

Kunst hat seit Jahrhunderten Grenzen überschritten. Künstler*innen auch. Innerhalb Europas haben sich die gegenseitigen Beeinflussungen über Jahrzehnte hinweggesetzt. Erst kürzlich ist in der Brancusi-Retrospektive im BOZAR in Brüssel diese Verschränkung erneut dargestellt worden. Lebensverläufe werden von wichtigen Begegnungen geprägt. Rodin hat einen bleibenden Eindruck auf Brancusi hinterlassen. Genauso lassen sich Fernwirkungen von Beeinflussung oder Inspiration bei anderen Künstlern und Künstlerinnen ablesen, selbstverständlich auch jenseits eines Europa-Zentrismus. Das verlangt jedoch noch viel kuratorischen Aufwand. Die Skulptur von Gates Sofer nach Hepworthes „Ovaler Skulptur“ legt längere Entwicklungslinien nahe, zu bewundern in der Täte Modern. Netzwerke oder MindMaps derartiger Inspiration sind ein faszinierendes Kunst, Kunstmarkt und Kreativitätsthema. Formelle Schulenbildung interessiert dabei genauso wie die informellen Netzwerke und lose Anlehnung. Mehr davon zu fördern ist ein fruchtbarer Weg mittelfristig Bürger+innen in und jenseits Europas näher zu bringen.  

Täte Modern London

Gute Arbeit

Gute Arbeit hat viele Dimensionen. Bezahlung, Belastung, aber auch Autonomie und Planbarkeit. Gute Arbeit in Zeiten von Coronavirus hat nochmals zusätzliche Dimensionen ergänzt, wie z.B. die Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, Planbarkeit von HomeOffice. Im Journal of Industrial Relations ist eine Studie von Alan Felstead et al. veröffentlicht worden, die Unsicherheit am Arbeitsplatz thematisiert. Besonders die Null-Stunden Verträge und Unsicherheit bezüglich der tatsächlich zu arbeitenden Arbeitsstunden führt zu Irritationen bei Arbeitnehmenden. Diese neue Prekarität und Benachteiligung am Arbeitsmarkt hat gesundheitliche Folgen wie die Belastung durch Unplanbarkeit von Überstunden.
Zeitsouveränität, wer kann über den Umfang der Tages-, Wochen-, Monats-, Jahres- und Lebensarbeitszeit entscheiden, ist die Frage des 21-sten Jahrhunderts. Wieviel Entscheidungsspielräume gibt es für den Einzelnen? Haben Gewerkschaften die Kraft, um neue Arbeitszeitregeln jenseits von „Samstags gehört Vati mir“ durchzusetzen? Kann dem Verlangen nach mehr Sonntagsarbeit, wie es der Handelsverband Deutschland HDE fordert widerstanden werden?
Europa braucht dafür eine gemeinsame Vision. Daher kann uns die Diskussion der Renten und Lebensarbeitszeit in Frankreich nicht unberührt lassen.
Für das deutsche Spezialproblem der Sonntagsarbeit könnte eine Lösung darin bestehen, dass Lebensmittel sonntags von 9-12 eingekauft werden können, aber nicht der gesamte Einzelhandel geöffnet ist. Branchenlösungen oder regionale Abweichungen im Tourismus könnten ermöglicht werden. Aber 7/7 Tage und 24/24 Stunden Handel und Arbeit wie im Internet ist der menschlichen Gesundheit nicht zumutbar.

… und Sonntags sowieso