Kunst ohne Grenzen

Kunst hat seit Jahrhunderten Grenzen überschritten. Künstler*innen auch. Innerhalb Europas haben sich die gegenseitigen Beeinflussungen über Jahrzehnte hinweggesetzt. Erst kürzlich ist in der Brancusi-Retrospektive im BOZAR in Brüssel diese Verschränkung erneut dargestellt worden. Lebensverläufe werden von wichtigen Begegnungen geprägt. Rodin hat einen bleibenden Eindruck auf Brancusi hinterlassen. Genauso lassen sich Fernwirkungen von Beeinflussung oder Inspiration bei anderen Künstlern und Künstlerinnen ablesen, selbstverständlich auch jenseits eines Europa-Zentrismus. Das verlangt jedoch noch viel kuratorischen Aufwand. Die Skulptur von Gates Sofer nach Hepworthes „Ovaler Skulptur“ legt längere Entwicklungslinien nahe, zu bewundern in der Täte Modern. Netzwerke oder MindMaps derartiger Inspiration sind ein faszinierendes Kunst, Kunstmarkt und Kreativitätsthema. Formelle Schulenbildung interessiert dabei genauso wie die informellen Netzwerke und lose Anlehnung. Mehr davon zu fördern ist ein fruchtbarer Weg mittelfristig Bürger+innen in und jenseits Europas näher zu bringen.  

Täte Modern London

Gute Arbeit

Gute Arbeit hat viele Dimensionen. Bezahlung, Belastung, aber auch Autonomie und Planbarkeit. Gute Arbeit in Zeiten von Coronavirus hat nochmals zusätzliche Dimensionen ergänzt, wie z.B. die Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz, Planbarkeit von HomeOffice. Im Journal of Industrial Relations ist eine Studie von Alan Felstead et al. veröffentlicht worden, die Unsicherheit am Arbeitsplatz thematisiert. Besonders die Null-Stunden Verträge und Unsicherheit bezüglich der tatsächlich zu arbeitenden Arbeitsstunden führt zu Irritationen bei Arbeitnehmenden. Diese neue Prekarität und Benachteiligung am Arbeitsmarkt hat gesundheitliche Folgen wie die Belastung durch Unplanbarkeit von Überstunden.
Zeitsouveränität, wer kann über den Umfang der Tages-, Wochen-, Monats-, Jahres- und Lebensarbeitszeit entscheiden, ist die Frage des 21-sten Jahrhunderts. Wieviel Entscheidungsspielräume gibt es für den Einzelnen? Haben Gewerkschaften die Kraft, um neue Arbeitszeitregeln jenseits von „Samstags gehört Vati mir“ durchzusetzen? Kann dem Verlangen nach mehr Sonntagsarbeit, wie es der Handelsverband Deutschland HDE fordert widerstanden werden?
Europa braucht dafür eine gemeinsame Vision. Daher kann uns die Diskussion der Renten und Lebensarbeitszeit in Frankreich nicht unberührt lassen.
Für das deutsche Spezialproblem der Sonntagsarbeit könnte eine Lösung darin bestehen, dass Lebensmittel sonntags von 9-12 eingekauft werden können, aber nicht der gesamte Einzelhandel geöffnet ist. Branchenlösungen oder regionale Abweichungen im Tourismus könnten ermöglicht werden. Aber 7/7 Tage und 24/24 Stunden Handel und Arbeit wie im Internet ist der menschlichen Gesundheit nicht zumutbar.

… und Sonntags sowieso

Uber, Arbeitsrecht in Europa

Arbeitsrecht in Europa und der EU kann unendlich komplex sein. In dem von mir geleiteten EU-Projekt Mitte der 90er Jahre haben wir 12 Arbeitsrechtsysteme im Kündigungsschutz und zu befristeten Verträgen, bzw. prekärer Beschäftigung verglichen (Buchveröffentlichung und WZB-Paper FS I 95-207 vergriffen). Das theoriegeleitete Zusammenführen von Empirie und rechtlichen Normen hatte Konzepte wie Effizienz, Ungleichheit und Wirkungen von Arbeitsrechtsreformen beleuchtet. Dieser Ansatz der Evaluation aus politisch-ökonomischer Sicht hatte sich bewährt und die Stoßrichtung vieler deregulativer Reformen aufgedeckt.

In 2020 werden diese Themen unter dem Stichwort „Uber“ wieder neu verhandelt. Joep Cornelissen und Magdalena Cholakova vertreten in ihrem Essay „Profits, Uber, everything“ die Meinung, dass Manager mit Kategorien spielen und maches Mal eine Innovation lediglich darin besteht eine „hybride“ Kategorie am Markt einzuführen, um etablierte Kategorien und Rechtskonstrukte zu umgehen. Paper in Strategic Organization

EU2020 – Neujahrswünsche

Viele Wünsche für die EU2020, oder das Programm der neuen EU-Kommission @vdLCommission lesen sich wie die üblichen Neujahrswünsche. Schnell gemacht, doch schnell gescheitert. Bei meinen Recherchen zum meinem neuen Buch über ein neues Narrativ für Europa sind mir die Versprechungen aus 2010 für 2020 aufgefallen. Das las sich damals so: “ In March (2010), the European Commission released its Europe 2020 strategy proposal, which strives for „smart, sustainable and inclusive growth“ and greater policy coordination between the EU and national governments. Dieses Dokument beschreibt ganz gut woran die EU-Commission in den letzten 10 Jahren gescheitert ist. Das einseitige Betonen von wirtschaftlichem Wachstum, Rückstandigkeit bei digitalen Lösungen, Nachhaltigkeit bei Vernachlässigung der Generationengerechtigkeit (siehe @FridaysForFuture) und „gelbe Westen Proteste“, die eine stärkere Spaltung der Bevölkerung verdeutlichen. Dazu noch die Blockade zwischen den Ländern in der Zuwanderungs- und Asylfrage und die Lage 2020 ist gut beschrieben. Es bleibt fraglich, ob die schönen Versprechungen 2030 und Neujahrswünsche in 2020 ein anderes Schicksal haben werden. Wir beobachten weiter!

Quelle: Intereconomics 2010

In 2016 wurde aus einem EU-Projekt heraus bereits eine gute programmatische Alternative skizziert. Diese erscheint mir weiterhin eine brauchbare Rechnung, wie auf die in 2010 beschriebenen und noch geltenden Herausforderungen geantwortet werden kann.

Quelle: Intereconomics 2016

Nachhaltige Investitionen, Bekämpfung von Ungleichheit und demokratische Governance gehörten damals und gehören heute ganz oben auf die To-do-Liste.
Frohes Neues Jahr(zehnt)!

Steuern angleichen

Für alle EU-Länder die den Euro € als gemeinsames Zahlungsmittel haben sollte auch die gleiche nominale Höhe an Steuern gelten. Das wäre doch eine einfache, leicht vorzustellende Regel für die Eurozone oder gar die ganze EU. Davon sind wir weit entfernt. In den meisten für Steuern relevanten Bereichen gibt es erhebliche Abweichungen zwischen den Mitgliedsländern. Angefangen bei der Mehrwertsteuer (VAT oder Sales Tax). Imagine – Lasst uns von einer Harmonisierung träumen, „it isn’t hard to do“. Die Experten träumen wieder, gut so. (LINK) Die Unterschiede bei der Mehrwertsteuer, für uns als Knsumenten wichtig interessieren, dabei wenig. Unterschiede zwischen den Ländern bei der MwSt werden wohl erstmal bleiben.

Daten der Grafik stammen von der OECD Tax database und sind in %. Es gibt erheblichen Gestaltungsspielraum. Interessant ist die scheinbare Unumkehrbarkeit: Eine einmal erhöhte MwSt wird fast nie wieder gesenkt. (Link). So bilden sich nationale und auch regionale Kulturen der Besteuerung heraus. Dennoch meine ich muss es möglich sein die Schweiz mit den skandinavischen Ländern oder Ungarn in eine europäische Union zu integrieren, die sich als historisches und demokratisches Projekt versteht. Zumindest reden die Länder und Interessenvertretenden bei der OECD über verwandte Themen. Spannend bleibt neben der globalen Erosion der Besteuerungsbasis (Steuerhinterziehungsmöglichkeiten) und der Steuervermeidung durch Gewinnverschiebung (BEPS) noch die „Goldene Visa“ Diskussion. Dabei hat sich nicht nur außerhalb der EU, sondern auch innerhalb (bspw. Malta) ein Markt für Staatsbürgerschaften, mindestens aber Aufenthaltsrechten, geschaffen. Besonders wohlhabende Personen können so Zugang zur EU erhalten, wenn mehr als 500.000 € „investiert“ oder für den Wert eine besonderes Anwesen gekauft wird. Die ökonomische Theorie hat es im Blick, die Gesetzgebenden in Europa noch viel zu wenig. Auf Basis von Steuerminimierungsmodellen wird Europa nicht zusammenwachsen (siehe EESC). Sehen wir uns an welch großartige Bauten, Kunstwerke, Frieden, Sicherheit, Bildung und Gesundheit Steuern ermöglicht haben. Es lohnt sich also beizutragen auf die eine oder andere Art, als Unternehmen oder Privatperson.